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Endlich war es wieder soweit und der Sommerurlaub stand vor der Tür . Aber vor dem Start in den Urlaub steht bekanntlich die Prozedur des Packens. Das die Ladekapazität unseres Kombis ausreicht hatte ich mir aber auch nur gedacht. Aber..... ich fange am Besten (wie immer) ganz von vorne an:

Das meine Frau in den letzten Jahren einiges angesammelt hatte war mir bekannt aber das sie sooooo viel mitnehmen wollte hätte ich nicht gedacht. Gut gelaunt begann ich den Wagen zu beladen und es ging auch ganz gut voran. Als der Wagen dann voll war, dachte ich so bei mir, das es ja ganz gut geklappt hat und ALLES gut verstaut  war. Bis dann meine Frau zur Garage kam um mir mitzuteilen das da noch "einige Sachen" stünden die auch noch unbedingt mit mussten. Ja aber wohin, dachte ich .... Kurz entschlossen fuhr ich dann zum nächsten Laden für Autozubehör (möchte hier keine Werbung machen!) und kaufte eine Dachbox. Mit der, so dachte ich, bin ich auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Meine Frau staunte nicht schlecht als ich mit dem Ding um die Ecke kam. Ich teilte ihr aber sofort mit das wir die Ladekapazität nicht bis ins Unendliche ausdehnen könnten und das die Box das äußerste Limit sei. Irgendwie hat sie es dann auch eingesehen und sich entschieden ein paar "unwichtige" Dinge hier zu lassen die wir ja nächstes Jahr auch noch mitnehmen könnten.



Diese Prozedur spielte sich auf meinem Geburtstag ab!!! Nachmittags kam mein Bruder Torsten mit seiner Frau Gaby zum Kaffee & Kuchen vorbei. Ausgiebiges feiern war eh nicht angesagt da wir Nachts um 2 Uhr aufstehen und um 3 Uhr losfahren wollten. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kurz um.... ich kam etwas später ins Bett und entschloss mich alles um eine Stunde zu verschieben. Also 3 Uhr aufstehen und 4 Uhr losfahren. Das mit dem aufstehen klappte ganz gut und mein Bruder Torsten kam auch auf nen Kaffee vorbei, was ich echt toll fand. Um 5 Uhr starteten wir in Richtung Transylvanien. Nach 3 Jahren war es schon ein eigenartiges aber dennoch schönes Gefühl 1800 km "vor der Brust" zu haben.

Wir kamen echt gut voran und unser Navi lotste uns 2x um einen Stau herum. Sogar unsere Tochter Kira-Lee, die meist schon im Sauerland fragt wann wir denn endlich da seien, war gut drauf und vertrieb sich die Zeit  mit ihrem "Nintendo" oder machte Landschaftsfotos während der Fahrt. Kurzum es war bis dahin alles perfekt..... In Bayern sah ich ein totes Reh auf dem Seitenstreifen und dachte "...so ein Mist.". Zehn Kilometer weiter stand ein Reh auf dem Seitenstreifen der Autobahn und ich dachte nur "Bleib bloß da stehen!". Das das nicht meine letzte Begegnung mit nem Reh sein sollte konnte ich zu jenem Zeitpunkt nicht ahnen.....



Dadurch das wir 2x nen Stau umfahren mussten kamen wir spät in Ungarn an und als wir Budapest passierten fing es an zu dämmern aber das war ja kein Problem. Wir waren glücklich das alles so gut verlief. Als wir dann die Autobahn bei Cegled verließen war es ca. 22:30 Uhr und stockdunkel. Die Bundesstraße Nummer 4 ist auch nicht beleuchtet und rechtes und links der Straße sind teilweise tiefe Gräben. Wir fuhren mit Tempo 100 als ich plötzlich so ca. 5 Meter vor unserem Auto auf dem Mittelstreifen ein Reh stehen sah. Ich hab nur noch den Fuß vom Gaspedal nehmen und das Lenkrad mit beiden Händen festhalten können bis es zum Aufprall kam, denn das Reh machte noch einen Satz nach vorne und sprang uns direkt vor´s Auto. Unser Auto bekam noch einen Schlag vor´s linke Vorderrad und von da an weiß ich nicht mehr was ich sah, ich habe nur noch reagiert denn der Wagen fing an zu schleudern. Zuerst nach rechts und dann nach links. Erst als ich den Wagen wieder in der Spur hatte begann ich zu bremsen und fuhr rechts ran. Glücklicherweise waren hinter uns zwei weitere Autos aus Deutschland, deren Fahrer den Vorfall bemerkten und diese hielten ebenfalls an. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Michael (so hieß der eine Fahrer) und seinen "Leuten" für die tolle "moralische Unterstützung" und für die Hilfe bedanken. Wenigstens im Ausland sind wir Deutsche in der Lage zusammenzuhalten, dachte ich mir. Michael und sein Kollege (den Namen weiß ich leider nicht) stellten für mich das Warndreieck auf und begannen mit der Suche nach unserem Nummernschild welches sich durch den Aufprall gelöst hatte. Sie fanden es auch und sagten mir das das Reh tot sei. Kein Wunder sagte Michael, denn ist ja auch ca. 3 Meter hoch durch die Luft geflogen. Ich muss sagen, das unser Schutzengel Schwerstarbeit geleistet hat und ich mehr als dankbar bin das wir 3 diesen Unfall unbeschadet überlebt haben. Unsere Tochter hat von dem Unfall nichts mitbekommen da sie auf dem Rücksitz eingeschlafen war und erst wach wurde als wir anhielten.

Unser Wagen sah ziemlich demoliert aus und nachdem wir die Polizei und den ADAC angerufen hatten machten wir Fotos von dem Schaden. Ich fragte Michael ob er noch etwas bleiben könnte falls wir ihn als Zeugen angeben müssten. Wie selbstverständlich sagten Michael und seine Leute das sie noch bleiben und wenn es erforderlich sei auch eine Aussage machen würden. Fand ich echt toll von ihnen. Die Polizei kam ziemlich zügig. Zuerst fragten sie was genau passiert sei und fuhren anschließend mit dem Auto zuerst zum Reh und anschließend noch ca. 1 km weiter um zu sehen ob denn überhaupt Hinweisschilder für "Wildwechsel" aufgestellt waren. Was das auf sich hatte erfuhr ich erst später. Sie kamen nach ein paar Minuten zurück und fragten erstaunt: "Und, sie leben noch?" Sie stellten diese Frage weil das Reh ein Gewicht von ca. 80 kg und etwa die Größe eines Kalbs hatte und weil ihnen bewusst war das das alles anders hätte ausgehen können. Nachdem der Unfallbericht geschrieben war sagten uns die Polizisten warum sie nach dem "Wildwechsel"-Schild geguckt haben. Es ist so das Rehe in Ungarn unter Naturschutz stehen und wenn an dieser Stelle ein Hinweisschild gestanden hätte, hätte mich das Land Ungarn verklagt und ich hätte mit einer Strafe zwischen 5000 und 10.000 Euro rechnen müssen. Naja, so sind sie halt..... Die Polizei wünschte uns noch eine gute Weiterfahrt und auch Michael und seine Leute verabschiedeten sich um ihre Reise nach Schäßburg fortzusetzen.

Wir setzten uns ins Auto und warteten auf den "Magyar Auto Klub" der laut Aussage der Zentrale mit nem Abschleppwagen kommen würde. Nach einer Stunde kam ein Abschleppwagen und der Fahrer begutachtete unser Auto und fragte ob er denn noch anspringen würde. Ich setzte mich hinter´s Steuer und startete den Wagen. Dann sagte er das er eine kleine Werkstatt hier "um die Ecke" hätte, meine Frau bei ihm einsteigen und ich hinterher fahren sollte. Gesagt - getan.... Wir kamen zu einer abgelegenen Tankstelle und dort tauschte er mir eine Birne aus und befestigte die Stoßstange mit 2 Gummibändern und sagte das er 100.- Euro bekäme. Zögernd gab ich sie ihm, er stieg in sein Auto und verschwand. Auch wir stiegen ein und setzten unsere Fahrt fort. Irgendwie kam mir der Typ komisch vor aber irgendwie für ungarische Verhältnisse normal.

Nach 2 Stunden Fahrzeit klingelte mein Handy und am anderen Ende war der Fahrer des "Magyar Auto Klub", der fragte wo wir denn wären. Meine Frau fragte ihn ob er uns etwa nochmal "abzocken" wolle. Daraufhin sagte er uns, das wir auf einen Gauner reingefallen seien und das Mitarbeiter des Auto Klub´s kein Geld annehmen dürften. Wir sollten bleiben wo wir sind und er würde auf jeden Fall kommen.

Nach weiteren 2 Stunden kam der "gelbe Engel" und schüttelte nur den Kopf als wir ihm die Geschichte von dem Betrüger erzählten. Dann untersuchte er unser Auto und machte ihn mit Kabeln wieder einigermaßen fahrtüchtig. Eine Reparatur in Ungarn hätte ca. 3 Wochen gedauert und soviel Zeit hatten wir nicht. Er bat uns nicht schneller als 90 km/h zu fahren und wünschte uns alles Gute.



Die Fahrt ging, den Umständen entsprechend, gut voran und um 6:30 Uhr kamen wir über die Grenze. Der Grenzer kontrollierte nur kurz unsere Pässe und wünschte gute Fahrt. An der ersten "Petrom" Tankstelle fuhren wir an die Zapfsäule und tankten. Anschließend wollte wir die Rovinieta kaufen ab es gab keine. Laut Kassierer waren diese ausverkauft und erst im August sollten neue erhältlich sein. Glücklicherweise kamen Polizisten vorgefahren und diese bestätigten uns die Aussage des Kassierers. Also setzen wir unsere Fahrt ohne Rovinieta fort. An irgendeiner Tankstelle nach Oradea hielt ich an um ein wenig zu schlafen.

Nach 2 Stunden fuhren wir weiter und kamen gut voran. In den Serpentinen nach Cluj-Napoca fing unser Wagen ganz derbe an zu qualmen, die Kontrollleuchte für die Werkstatt ging an und ich dachte zuerst das es am Sprit liegt. Es kam mir vor als hätte ich einen LKW aus Littauen anstatt eines Opel Astra.

Wir kamen Nachmittags um 17:30 Uhr in Homoródalmás an. Das heißt wir haben insgesamt 36,5 Stunden für die Fahrt gebraucht.

Meine Schwägerin sagte das wir unseren Motor bei Opel in Mircurea-Ciuc testen lassen könnten da der dortige Werkstattmeister ein Bekannter von ihnen sei. Dann machten wir erstmal eine Flasche "Harghita" auf, aßen eine Kleinigkeit und fingen an den Wagen zu entladen.

In der ersten Woche machten wir keine großartigen Termine denn es war arbeiten angesagt. Wir hatten vor einen neuen Zaun zu ziehen und dafür mussten wir erstmal die Bretter und Pfähle mit Lasur bearbeiten. Für die Arbeit am Zaun baten wir unsere Nachbarn um Mithilfe. Unsere Nachbarn sind Zigeuner die sich darüber freuten das sie sich bei uns etwas Geld verdienen konnten. Ich muss sagen das die beiden wirklich gut und bei Wind und Wetter gearbeitet haben und das ich mit ihrer Arbeit sehr zufrieden war. Ich gab den beiden noch ein paar Euro extra für diese gute Leistung.




Am Samstag hatten wir einen besonderen Termin, denn wir waren als Taufpaten zur Taufe eingeladen. War für mich auch sehr interessant mal eine ungarische Taufe kennenzulernen. Die anschließende Feier war auch sehr schön und wir hatten viel Spaß. Ich lernte viele neue und vor allem sehr nette Leute kennen. Außer uns gibt es noch vier weitere Paten. Die ungarische Bezeichnung dafür ist "Komám". Das heißt wir sind jetzt ein Teil der Familie.









Einen Tag später war es dann endlich soweit und wir starteten unseren Trip nach Mangalia. Das hieß zuerst mit dem Bus bis nach Miercurea-Cuic und von dort aus mit dem Zug nach Mangalia. Das die Zugfahrt 12 Stunden dauern würde hatte mir vorher niemand gesagt, sonst hätten wir uns für ein Schlafwagen-Abteil entschieden. Ich musste an die Schauermärchen denken, die man sich so über das Zugfahren bei Nacht in Rumänien erzählte. Wir hatten Sitzplätze reserviert und fanden auch unser Abteil. Eigentlich hätten wir nur dem Alkoholgeruch folgen müssen denn wir teilten das Abteil mit drei betrunkenen Rumänen. Bis auf den Gestank war es aber nicht weiter schlimm denn die drei waren friedlich. Am nächsten Vormittag kamen wir müde aber glücklich in Mangalia an und Tante Ilona wartete mit ihrer Enkelin Andreea am Bahnhof bereits auf uns. Mit dem Taxi (Dacia) fuhren zur Wohnung von Tante Ilona und bezogen unser Zimmer. Nach einem kurzen Pläuschchen ging es dann endlich Richtung Strand. Schon von weitem konnte man das Meer riechen. Strahlend blauer Himmel ca. 35 Grad,dazu ein herrlicher Strand und das Schwarze Meer mit einer Wassertempearatur von ca. 25°C, einfach himmlisch.



Tante Ilona war ein ganz tolle Gastgeberin und verwöhnte uns wo sie nur konnte. Wir haben jeden Tag genossen und waren jeden Tag am Strand. Leider ging die eine Woche viel zu schnell vorbei aber wir fuhren nicht ohne zu versprechen das wir im nächsten Jahr wiederkommen.



Als wir am Sonntag wieder in Almás ankamen, wartete dort die nächste Überraschung auf uns. Da meine Frau am Dienstag ihren Geburtstag feiern wollte kamen, als Überraschung, ihre Schwester Edit mit Ehemann Gyuri aus Budapest und ihre Tante und Onkel aus Brasov.

In den zwei Tagen wurde viel gekocht und gebacken denn es sollte ja alles perfekt sein für den Geburtstag. Der Onkel aus Brasov hat auch wieder 5 Liter Wein mitgebracht und der war mal wieder sehr lecker. PROST...

Der Geburtstag war sehr schön und es gab noch eine tolle Überraschung denn der Cousin Levente kam mit seiner Frau Loredana und seinem Sohn Eduard. Wir waren damals auf deren Hochzeit (siehe Reisebericht "2000 - Meine erste Fahrt nach Transylvanien") und haben uns schon damals sehr gut verstanden. Erst jetzt haben wir aber herausgefunden das wir, Levente und ich, uns auch auf Englisch unterhalten können und diese Erkenntnis machte den Geburtstag, für mich, perfekt. Wir hatten uns ja soviel zu erzählen nur wussten wir vorher nicht wie. Den Part des Grillmeisters übernahm natürlich Csabi, denn es gibt keinen Besseren für diesen "Job". Wir feierten ausgelassen bis um 2 Uhr nachts. Hätten sicherlich gerne noch länger gefeiert aber wir wollten am nächsten Morgen die Heimreise antreten damit wir früh genug Zuhause sind um unsere Auto in die Werkstatt zu bringen.



Am nächsten Morgen um 7 Uhr kam meine Lieblingsoma um sich zu verabschieden und auch Csabi & Gizi ließen es sich nicht nehmen "Tschüss" zu sagen. Es gibt halt Menschen die sind unbeschreiblich und ich bin glücklich, solche Menschen zu kennen.




FAZIT: Es war diesmal ein echt perfekter Urlaub und wenn der Unfall nicht gewesen wäre, würde ich sagen, es war der BESTE Urlaub in Transylvanien überhaupt!!! Na gut, "Schuld" daran ist auch mein Aufenthalt in Mangalia und Tante Ilona die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Achja nicht zu vergessen ist auch meine Schwiegermutter die ich in Mangalia völlig "neu" kennenlernte. Hätte nie gedacht das ich so eine coole Schwiegermutter habe ...





DANKE, das ich das alles erleben durfte!




Fortsetzung folgt......    (versprochen)


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